Kann man Mut trainieren?

 

Ja! Kann man. Zwar nicht unbedingt von heute auf morgen, aber letztendlich entscheidest du ganz alleine, ob du mutig bist oder nicht. Das Ding ist nur, gerade bei dem Thema „Mut“ besteht schnell die Gefahr, sich selber zu belügen. Deswegen solltest du hier besonders achtsam und ehrlich mit dir umgehen.

Wichtig ist, dass du dir erst einmal klar darüber wirst, in welchen Situationen du gerne mutiger wärst und vor allem warum.

Frage dich, ob du den Mut für etwas aufbringen möchtest, weil es dich in irgendeiner Weise weiterbringt, oder ob du es nur tun möchtest, weil „man“ das so macht oder weil es jemand von dir erwartet. Denk daran, dass es manchmal auch mutig ist, etwas nicht zu tun.

 

>>> Hier greift dann auch direkt wieder das Thema Achtsamkeit. Du siehst also, wie harmonisch meine drei Lieblingswerkzeuge immer wieder in einander übergehen. 

Dann wäre da noch eine ganz wichtige Frage zu klären: Brauche ich für das, was ich gerne möchte, überhaupt Mut?

So wie manche Menschen oft zu mutig (übermütig) sind, weil sie sich keine Gedanken darüber machen, was alles passieren kann, gibt es auch Menschen, die zu wenig Mut aufbringen, weil sie sich zu krass ausmalen, was alles passieren könnte. Das können wir nämlich auch wahnsinnig gut.

 

Als Beispiel erzähle ich dir eine kleine Geschichte über Kai:

Kai schwärmt für Angelika, der Bedienung in seinem Stammcafé. Die beiden verstehen sich supergut. Sie albern zusammen rum und haben auch schon die eine oder andere ernste Unterhaltung geführt.

 

Immer wieder nimmt Kai sich vor, sie nach einer Verabredung außerhalb des Cafés zu fragen. 

Nur wenn er sich überlegt, wie er anfangen soll, schießen ihm direkt Bilder in den Kopf, in denen er seinen Kaffee verschüttet, ihm die Worte fehlen, er rumstottert und wie Angelika ihn dann auch noch auslacht und ihm sagt, dass er nun wirklich der Letzte sei, mit dem sie sich verabreden würde.

 

(Vielleicht lacht sogar noch das ganze Café über ihn, er kann sich dort nie wieder blicken lassen und am besten sucht er sich direkt eine neue Wohnung … in einer anderen Stadt).    

Im Grunde weiß Kai ja, dass das alles übertrieben ist. Aber wenn er erst einmal in diesem Gedankenkarussell drin steckt, versagt ihm nun mal die Stimme.

 

>>> Male dir also kein Horrorszenario aus. Denke lieber darüber nach, ob das Schlimmste, das passieren kann, auch wirklich so schlimm ist, dass es sich lohnt, deswegen auf die Früchte zu verzichten.  

Sei ehrlich zu dir und stell dich der Situation

In Sachen „Mut“ greift oft eine gewisse Vermeidungsstrategie. Wir können nämlich so was von kreativ darin sein, uns unsere Angst schönzureden. 

Silvia arbeitet in einer Druckerei. Es vergeht kein Tag, an dem sie wirklich pünktlich Feierabend macht. Dabei sind es gar nicht nur die Überstunden selber, die an ihren Nerven zerren, sondern die Tatsache, dass ihr Chef die Stunden schon als selbstverständlich ansieht.

 

Immer wieder nimmt sie sich vor, ihm zu sagen, dass sie auch ein Privatleben hat und nicht rund um die Uhr für die Firma da sein kann. Jeden Tag, wenn es dann darauf ankommt, fällt ihr allerdings wieder eine neue Ausrede ein, warum sie es ihm heute noch nicht sagen kann.

 

Einmal macht sie die Überstunden schließlich auch in ihrem eigenen Interesse, um am nächsten Tag weniger Arbeit zu haben (klappt nie, denn am nächsten Tag ist meistens noch mehr zu tun).

Ein anderes Mal hat der Chef bestimmt gerade so viel zu tun, dass der Zeitpunkt denkbar schlecht ist und am nächsten Tag ist wirklich kein anderer da, der die Aufgabe erledigen könnte. 

Wenn Silvia wirklich ehrlich zu sich selber wäre, würde sie merken, dass sie sich mit diesen Ausreden nur vor dem eigentlichen Problem drückt >>> sich der Situation zu stellen und ihrem Chef gegenüberzutreten.

 

 

Mit kleinen Schritten zu mehr Mut

Fang an, dir zu vertrauen!

Mut ist in erster Linie das Vertrauen in dich selbst und in deine eigenen Fähigkeiten.

 

>>> Überlege dir, wann du in deinem Leben besonders mutig warst.

 

Gibt es vielleicht sogar Dinge, vor denen du anfangs wahnsinnige Angst hattest, die dir aber mittlerweile so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass du diese Angst überhaupt nicht mehr nachvollziehen kannst?

Oder Situationen, die du früher aus Angst gemieden hast, die aber heute zu deinem Leben gehören?

Wenn dir wirklich bewusst wird, wie oft du in deinem Leben schon mutig warst, steigt automatisch auch dein Vertrauen in dich selbst.

Arbeite an deiner Körperhaltung

Hört sich vielleicht erst einmal komisch an. Aber durch einen aufrechten Gang, einen erhobenen Kopf und Blickkontakt mit deinem Gegenüber, wirkst du nicht nur auf andere selbstbewusster. Solche Haltungen sagen auch deinem Unterbewusstsein: Hey, du bist ein toller und mutiger Mensch!

Suche dir ganz bewusst Aufgaben, bei denen du (etwas) Mut aufbringen musst

Wenn du Probleme damit hast, Menschen anzusprechen, wäre es kontraproduktiv, dich direkt vor ein riesiges Publikum zu stellen und eine Rede zu halten. Fang also lieber klein an.

 

Stell dir für jeden Tag eine oder mehrere Aufgaben, für die du ein bisschen aus deiner Komfortzone herausmusst. Frag jemanden nach dem Weg oder nach der Uhrzeit. Lass dir im Geschäft etwas genau erklären. Sag auch mal Nein, wenn dich an der Kasse jemand fragt, ob er vor darf.

 

Mach dir ruhig eine Liste von Dingen, die dich etwas Überwindung kosten, denn du weißt selber am besten, wo deine Komfortzone aufhört. Du wirst sehen, mit der Zeit kannst du dich immer größeren Herausforderungen stellen.

Gestehe dir auch mal Fehler zu

Oft fehlt einem der Mut aus der Angst heraus, Fehler zu machen. Meistens deswegen, weil man von sich selbst ein möglichst perfektes Ergebnis erwartet.

 

Erwarte nicht zu viel auf einmal und gib nicht beim ersten Fehlversuch auf. Denn mutig sein bedeutet auch, es immer wieder zu versuchen.


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