Für die Stillen unter uns

Einsame Bank an einem ruhigen See
Heutzutage brauchst du ein sicheres Auftreten, musst überall dabei sein und solltest vor allem reden können. Du musst selbstbewusst und zielsicher deine Ideen vortragen und Entspannung wird höchstens mal dazwischengeschoben. Ansonsten hast du keine Chancen. Im Alltag nicht, in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht und im Job schon mal gar nicht. Stimmt das? Es scheint fast so. Zumindest wird es einem schon von klein an so suggeriert.
Auf diese Aussage bin ich nun schon öfter gestoßen: Introvertierte Menschen sind anfälliger für Depressionen. Ganz ehrlich? Soooo abwegig finde ich das gar nicht. Ich könnte mir schon vorstellen, dass unter den Intros die Zahl der an Depressionen erkrankten Menschen erhöht ist.
Als ich gelesen habe, dass Jennifer B. Kahnweiler, die Autorin des Buches „Die Stärken der Stillen“ zu den extravertierten Personen gehört, war ich erst einmal etwas skeptisch. Ich kann mir eben nicht vorstellen, dass jemand, der extravertiert ist, einem introvertierten Menschen Tipps geben kann. Dementsprechend bin ich dann auch mit wenig Erwartungen an dieses Buch gegangen.
Grob gesagt gibt es für die Introvertierten zwei Arten von Ratgebern: Die einen wollen ihnen erklären, wie sie extravertierter werden, die anderen geben Tipps, wie sie lernen, ihre eigenen Stärken herauszufinden und zu fördern. Ich brauche euch wohl nicht zu verraten, welche Art Lektüre ich bevorzuge.
Introvertiert oder extravertiert? Die Unterschiede lassen sich im Gehirn deutlich nachweisen. Es ist kein subjektiver Eindruck, dass introvertierte Menschen bei Gesprächen langsamer reagieren oder schneller erschöpft sind als ihre extravertierten Zeitgenossen.
Wenn introvertierte Menschen, die sich bisher noch nicht viel mit (ihrer) Introversion befasst haben, mit ihren vermeintlichen Stärken konfrontiert werden, fällt oft erst einmal ein ganz bestimmter Satz: „Stimmt, das passt alles auf mich. Aber das sollen Stärken sein?“
Introvertiert und kreativ. Auf den ersten Blick vielleicht gar keine so erwähnenswerte Verbindung. Für mich war das allerdings mein ganzes Leben lang ein Thema.
Mein größtes Mankos als Intro war in meinen Augen tatsächlich immer die Tatsache, dass mir bei einem Gespräch oder einer Diskussion einfach die Worte fehlten. Andere Leute konnten sich immer so mühelos unterhalten und bei mir kam einfach nichts.