Buchvorstellung: "Die Stärken der Stillen" von Jennifer B. Kahnweiler

 

Als ich gelesen habe, dass Jennifer B. Kahnweiler, die Autorin des Buches „Die Stärken der Stillen“ zu den extravertierten Personen gehört, war ich erst einmal etwas skeptisch. Ich kann mir eben nicht vorstellen, dass jemand, der extravertiert ist, einem introvertierten Menschen Tipps geben kann. Dementsprechend bin ich dann auch mit wenig Erwartungen an dieses Buch gegangen.

 

Mit der Zeit haben sich meine Zweifel allerdings gelegt. Die Autorin verfolgt in ihrem Buch nämlich einen ganz anderen Ansatz: Sie lässt die Introvertierten selber zu Wort kommen und geht damit einen Weg, der mich überzeugt hat.

 

 

Dass die Autorin mit einem introvertierten Mann verheiratet ist, mag der Auslöser gewesen sein, der ihr Interesse an diesem Thema geweckt hat. Dann hat sie sich aber wirklich ausgiebig damit befasst. Wobei ihre Erkenntnisse eben nicht auf Theorien basieren, die sie sich angelesen hat, sondern auf Gesprächen, die sie mit introvertierten Menschen geführt hat. 

 

Jennifer B. Kahnweiler möchte Introvertierten gar nicht beibringen, sich in einer extravertierten Welt zu behaupten. Sie zeigt, wie Introvertierte die Stärken, die sie haben, weiterentwickeln können und konzentriert sich dabei in erster Linie auf:

 

  1. Stille Auszeiten nehmen

  2. Vorbereitung

  3. Engagiertes Zuhören

  4. Fokussierte Gespräche

  5. Schreiben

  6. Überlegtes Nutzen von sozialen Medien


Allerdings warnt sie auch vor einem übermäßigen Gebrauch der Stärken. Ein „Zuviel des Guten“ kann nämlich durchaus dazu führen, dass sich die Stärken in Schwächen verwandeln.  

 

Der Prozess des stillen Überzeugens

Die Autorin nennt ihre Interviewpartner „Die stillen Überzeuger“ . Ein sehr treffender Ausdruck, wie ich finde.

Den Weg, den sie gegangen sind, um in einer extrovertierten Welt nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer ruhigen und besonnenen Art erfolgreich etwas zu bewegen, nennt sie >>> den Prozess des stillen Überzeugens.

 

Aus den Gesprächen erfährt der Leser aus erster Hand sowohl von den Hindernissen, die sich den introvertierten Menschen in den Weg gestellt haben, als auch von den Lösungen, diese Hindernisse zu überwinden. Oft sind das Lösungen, die sie durch ihre Erfahrungen und ihre Beobachtungen, aber auch durch Versuch und Niederlage selber herausgefunden haben.

 

Während ihrer Studien ist  Jennifer B. Kahnweiler sogar zu der Erkenntnis gekommen, dass es für sie selbst hilfreich sein könnte, sich auf die eine oder andere introvertierte Seite ihrer Persönlichkeit zu konzentrieren und diese zu stärken (wie ja schon öfter erwähnt, hat jeder Mensch sowohl introvertierte wie auch extravertierte Eigenschaften).

 

Ich möchte noch den „SEQ Test“ erwähnen, den die Autorin entwickelt hat und den sie in ihrem Buch vorstellt. SEQ steht für Stiller - Einfluss – Quotient. Allerdings muss ich immer wieder betonen, dass solche Tests nicht das Maß aller Dinge sind, sondern ausschließlich (erste) Anhaltspunkte auf dem Weg, sich selber besser kennenzulernen, liefern.

 

Fazit: Mich hat die Autorin überzeugt, indem sie sich wirklich die Mühe gemacht hat, sich in die introvertierten Menschen hineinzuversetzen. Das Buch ist ein Plädoyer dafür, sich vollkommen auf seine Stärken zu konzentrieren und so seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Ohne zu versuchen, sich in einer Welt anzupassen, für die man keine Voraussetzungen mitbringt.

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