Dr. Henner Berzau – der "Erfinder" der kölschen Weihnachtslieder

Wenn man sich die Vielzahl der vorweihnachtlichen Advents- und Mitsingkonzerte ansieht, die jedes Jahr in Köln stattfinden, könnte man glatt auf die Idee kommen, Weihnachtslieder hätten in Köln schon eine lange Tradition.

 

Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil.

 

Man kann durchaus sagen, kölsche Advents- und Weihnachtslieder, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit dem Ende der 1970er Jahre. Und zu verdanken haben wir das dem Kinderarzt Dr. Henner Berzau.

 

Der Doktor met d´r Quetsch

Henning (Henner) Berzau war gebürtiger Magdeburger und kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Köln. Hier schloss er sein Medizinstudium ab und bildete sich weiter zum Kinderarzt (op kölsch: Puutedoktor). 1954 eröffnete er in Riehl seine Kinderarztpraxis.

 

Dr. Berzau war nicht nur leidenschaftlicher Akkordeonspieler (weswegen er auch gerne „Der Doktor met d´r Quetsch“ genannt wurde), er schrieb nebenbei auch Liedertexte. Sein erstes Lied in kölscher Mundart war Et Jadeleed (Das Gartenlied), das er 1978 für den Riehler Karnevalsverein schrieb. 

Was jetzt die kölschen Weihnachtslieder angeht, begann alles mit einer Anfrage an Henner Berzau, ob er nicht zusammen mit seiner Gruppe den Riehler Jassemusikante, auf einem Weihnachtsmarkt kölsche Weihnachtslieder singen würde.

 

Der Wille war wohl sofort da, allerdings stellte er fest, dass dies gar nicht so einfach war. Es gab zu dieser Zeit nämlich nur eine sehr begrenzte Anzahl an Liedern in kölscher Mundart, die etwas mit Weihnachten zu tun hatten. Und diese waren zudem auch noch recht unbekannt.

 

Der Vorschlag, doch seine eigenen Lieder, nur eben ein bisschen langsamer zu spielen, kam für ihn nicht infrage. Da Dr. Berzau diesen Auftritt aber auch nicht absagen wollte, musste er wohl selbst zur Feder greifen. Und das tat er auch. Innerhalb kürzester Zeit hatte er seine ersten kölschen Lieder mit Bezug zu Weihnachten geschrieben und das mit großem Erfolg.

 

Dabei setzte er sich in seinen Texten durchaus auch kritisch mit der kommerziellen Seite von Weihnachten auseinander. In erster Linie ging es ihm immer um die Rückbesinnung zu den ursprünglichen Werten des Weihnachtsfestes.

 

1980 schon strahlte der WDR seine erste kölsche Weihnachtssendung Sidd hösch, leev Lück sidd stell aus.

 

Der Titel entspricht einer Textzeile aus einem der Chreesdaachleeder Berzaus.

 

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Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Uschi Werner-Fluss bildete er Anfang der 1980er Jahre das Duo Schneewisje un Ruserut. Er komponierte aber weiterhin auch für andere Interpreten. Insgesamt schrieb er 250 Lieder und Texte in kölscher Mundart.

 

Am 8. Januar 2008 verstarb er mit 86 Jahren in einem Seniorenwohnheim.

 

Man kann ohne Übertreibung sagen, Dr. Henner Berzau hat ein neues Musikgenre erschaffen und damit in Köln eine neue Tradition geprägt. Viele bekannte kölner Mundartsänger und -Gruppen haben mittlerweile ihr Repertoire um weihnachtliche Lieder erweitert.

 

Ein riesiger Gewinn, wie ich finde. Denn obwohl die kölner Mundart zum Teil recht derb rüberkommt, ist sie doch geprägt von Herz, Menschlichkeit und, das sollte man nicht vergessen, ganz viel Humor.

Und wer sagt denn, dass Humor nicht in die Weihnachtszeit gehört? Wohin sonst, wenn nicht in die Zeit der Liebe, der Besinnlichkeit und des menschlichen Beisammenseins?

 

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