Lasst der Prinzessin die blauen Haare (wie man bei Kindern die Kreativität schon im Keim erstickt)

 

Prinzessin? Blaue Haare? Warum nicht?

 

Wenn ein Kind ein Bild malt, taucht es normalerweise ganz in seine Fantasie ein. Dann hat eben die Prinzessin schon mal blaue Haare, das Pferd eine Krone auf dem Kopf oder der Baum rote Blätter. Na und? Das Schlimmste, was man jetzt machen kann, ist, den kleinen Künstler zurechtzuweisen. Es ist ja nicht so, als wüsste das Kind nicht, wie Pferd, Baum und Mensch in echt aussehen. Mit so einer Zurechtweisung pflanzt man ihm aber den Gedanken ein, es könnte falsch sein, seiner Inspiration zu folgen oder seiner Fantasie einfach freien Lauf zu lassen. Und je öfter solche Gedanken gedüngt werden, desto seltener wird das Kind seiner Eingebung folgen und Ideen einfach umsetzen.

 

 

Picasso soll einmal gesagt haben:

 

Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.

 

Man muss Kindern also keine Kreativität beibringen, man sollte nur verhindern, dass sie ihnen verloren geht.

Und das geht mitunter sehr schnell. Meiner Meinung nach, heute sogar noch schneller als früher.

 

Wie bei Kindern die Kreativität schon im Ansatz verloren geht

1. Die Tage der Kinder werden immer mehr mit Terminen zugepackt

Nach der Schule geht es sofort nach Hause, Hausaufgaben gemacht, dann die Sporttasche gepackt. Der Sportunterricht darf natürlich keine Minute länger dauern, weil sonst die Zeit zu knapp wird, um noch pünktlich zur Klavierstunde zu kommen. Und wehe, freitags zwischen 14.00 und 16.00 ist noch etwas Zeit. Dann muss natürlich unbedingt noch eine Aktivität untergebracht werden, weil sonst könnte ja … UM HIMMELS WILLEN … Langeweile aufkommen. Und Langeweile, das geht in unserer Gesellschaft ja überhaupt nicht. Wenn den Kindern langweilig wird, dann lungern sie nachher nur noch herum und leben in den Tag hinein. Und was soll denn dann aus diesen Kindern werden?

 

Also eins stimmt: Langeweile kommt bei diesem vollgestopften Tagesplan bestimmt nicht auf. Aber was spricht denn dagegen? Kinder müssen sich auch mal langweilen. Nur so machen sie die Erfahrung, dass sie durchaus imstande sind, eigene Ideen zu entwickeln. Und das sind sie … wenn man sie lässt.

 

2. Das Kinderspielzeug von heute lässt immer weniger Freiraum für eigene Interpretationen

Als ich klein war, gehörten Legosteine zu meinen Lieblingsspielsachen. Nun kann man die Legosteine aus meiner Zeit nicht mit denen von heute vergleichen. Wir hatten lediglich die einfachen Steine: Einreihige Steine, doppelreihige oder Dreiersteine oder wie auch immer wir die genannt haben. Mit diesen Steinen haben wir Häuser gebaut, Autos konstruiert oder sogar ganze Städte angelegt. 

 

Wir mussten dabei zwar andauernd überlegen, wie wir die Legos, die wir zur Verfügung hatten, möglichst sinnvoll einsetzen, konnten dabei aber so richtig unsere Fantasie ausleben. Wenn wir ein Pferd brauchten, haben wir uns irgendwie aus diesen Steinen eins gebaut. Auch wenn es nicht gerade aussah wie ein Pferd. Für uns war es eins.

Wir wurden auch nie fertig. Immer kam etwas Neues dazu. Wenn wir ein bestimmtes Klötzchen für etwas Anderes brauchten, mussten wir eben alles wieder umbauen.

 

Heute gibt es von Lego vorgefertigte Bausätze. Die Kinder bauen nach Anleitung eine Ritterburg zusammen und dabei werden Teile verwendet, die zusammengebaut nur eins werden können … eine Ritterburg. Ist die Ritterburg fertig, ist sie eben fertig. Dann kann man zwar noch damit spielen, aber der eigentliche Sinn ist doch nicht mehr erfüllt.

 

Jetzt will ich die Legosteine von heute natürlich nicht schlecht machen, ich finde es immer noch besser, Kinder spielen mit den heutigen Legos, als wenn sie den ganzen Tag vor dem Computer oder vor dem Fernseher sitzen. Ich möchte nur dafür plädieren, bei der Auswahl der Spielsachen, mehr darauf zu achten, den Kindern möglichst viel Freiraum für eigene Kreationen und Interpretationen zu geben.

 

Kreativ durchs Jahr

Ja, es gibt sie noch :)


3. (Nicht nur) Kinder haben die Möglichkeit, sich alle Informationen aus dem Netz zu holen

Und das wird viel zu oft genutzt, bevor sie versuchen, erst einmal selber auf die Lösung zu kommen.

 

Es gibt im Netz einige Plattformen, auf denen man alle möglichen (und eben auch unmöglichen) Fragen stellen kann und dann von den Lesern alle möglichen (und eben auch unmöglichen) Antworten bekommt. Die Idee zu diesen Seiten ist jetzt nicht grundsätzlich schlecht, ich finde es nur erschreckend, was da manchmal für Fragen gestellt werden (von den unmöglichen Antworten sehe ich jetzt einmal ab).

 

Ich kenne natürlich auch den Spruch: Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. Es geht mir aber nicht um dumme Fragen, sondern um Fragen, die man sich mit ein bisschen Nachdenken ohne Weiteres selber beantworten kann oder bei denen die Antworten auch ohne Umwege im Netz zu finden sind.

  • Wie kommt man von Köln nach Heilbronn?
  • Wann fängt heute das Fußballspiel an?
  • Ich würde gerne ein kreatives Video für YouTube drehen. Mir fällt aber nichts ein.
  • Morgen ist Feiertag, haben da die Geschäfte in Köln auf?
  • Wir haben heute schulfrei. Was kann ich unternehmen?
  • Soll ich mir einen Hamster kaufen?

… und … und … und ...

 

Diese drei Beispiele sollen einfach zeigen, dass es heute vielleicht ein bisschen schwerer ist, sich in dieser Welt seine kindliche Kreativität zu bewahren, dass es aber nicht unmöglich ist:

 

Lass dein Kind die Welt entdecken … auf seine Art ...

... indem du der Prinzessin die blauen Haare lässt.

 

... indem du das Kind soviel wie möglich selber ausprobieren lässt.

... indem du es Fehler machen lässt.

 

... indem du ihm ein Vorbild bist.

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