St. Maria im Kapitol - beeindruckende Kirche mit zahlreichen Legenden

St. Maria im Kapitol ist die größte der 12 großen romanischen Kirchen in Köln. „Kapitol“ deswegen, weil hier früher (ganz früher) ein römischer Tempel stand und die Kirche auf dem Fundament dieses Tempels erbaut wurde.

 

Blick auf St. Maria im Kapitol
St. Maria im Kapitol

 

Einer der Wege zur Kirche führt durch das Dreikönigenpförtchen (Dreikünnijepöötzche).

Es ist zwar geschichtlich nicht gesichert, dass Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige wirklich durch dieses Tor geschleppt hat, da die Gebeine aber zuerst in der Kirche St. Maria im Kapitol aufbewahrt wurden, besteht zumindest die Möglichkeit. Das reicht aber in Köln für die Namensgebung.

 

 

Die Pforte (oder das Pförtchen) verbindet den Marienplatz mit dem Lichhof. Das Wort Lichhof kommt von Leichenhof. Hier war also früher ein Friedhof.

 

 

Seit 1994 steht hier eine Gedenksäule für die an den Folgen von Aids Verstorbener.

 

Auf einer Seite steht:

„Gedenken aller, die an den Folgen von Aids gestorben sind“.

 

Über zwei Seiten zieht sich ein Haiku von Gitta Benasseni:

„Auch das Feuer seht, nicht nur das fallende Laub, wenn der Sommer geht“.

 

 


Ein Stückchen weiter um die Kirche herum, steht das „Kölner Totenmal“ von dem Bildhauer Gerhard Marcks (von ihm stammt übrigens auch der „Düxer Bock“).

 

Denkmal vor St. Maria im Kapitol
"Kölner Totenmal" vor St. Maria im Kapitol

 

Das Wandgemälde im Eingangsbereich der Kirche weist auf eine Legende um den hl. Hermann Joseph von Steinfeld hin.

 

Wandgemälde im Eingang von St. Maria im Kapitol
Wandgemälde im Eingangsbereich

Die Legende des Hermann Joseph von Steinfeld

Geboren wurde Hermann um 1150 in Köln. Als kleines Kind soll er regelmäßig in der Kirche vor der Marienstatue gestanden haben, um dem Jesuskind einen Apfel anzubieten.

 

Einmal hat Jesus den Apfel angenommen und Maria hat Hermann erlaubt, mit dem Jesuskind zusammen zu spielen.

Einige Zeit später hat Maria ihm dann noch ein Versteck verraten, in dem Hermann Geld für seine Schulausbildung finden konnte.

 

Mit 12 Jahren trat er in das Kloster Steinfeld ein. Aufgrund seiner Verehrung für die Muttergottes gab man ihm den Beinamen „Joseph“.

Heute noch gehen viele Gläubige hin und legen Äpfel an die Madonnen Statue.

 

Äpfel an der Marienstatue
Marienstatue mit Äpfeln

 

Einen passenden Brunnen dazu gibt es in Köln auch. Der Hermann-Joseph-Brunnen steht allerdings vor der Kirche St. Georg am Waidmarkt.

 

Brunnen vor St. Georg
Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt

Der Kreuzgang von St. Maria im Kapitol

Bevor du in das Innere von St. Maria im Kapitol kommst, führt der Weg noch durch den Kreuzgang der Kirche. Hier findest du eine unbeschreibliche Ruhe vor.

Und mit ein bisschen Fantasie schaffst du es vielleicht, dich in die früheren Zeiten der Kölner Sagen und Legenden zurückdenken.

 

Die Legende von der Geistermesse

Anfang des 19. Jh. kam ein junger Mann nach Mitternacht an der Kirche vorbei und fand diese hell erleuchtet vor (was er um diese Zeit dort wollte, überlasse ich jetzt mal deiner Fantasie).

 

Jedenfalls betrat er, neugierig wie er war, die gut besuchte Kirche und nahm in der letzten Reihe Platz, um der Messe beizuwohnen. Erst als er kurz vor Ende der Messe dreimal aufgefordert wurde, jetzt besser die Kirche zu verlassen, merkte er, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging.

 

Ich nehme mal an, dass er dann ziemlich schnell das Weite gesucht hat und sich auch sobald nicht mehr in die Nähe der Kirche verlaufen hat. Zumindest nicht nach Mitternacht.

 

Die unglückliche Liebesgeschichte von Ida und Karl

Als der fränkische Hausmeier Pippin der Mittlere im Jahr 714 verstarb, kam es zwischen seiner Witwe Plektrudis und seinem (außerehelichen) Sohn Karl zum Streit um die Nachfolge.

 

Die Witwe ließ Karl gefangen nehmen und wollte die Ämter ihres verstorbenen Mannes so lange weiterführen, bis ihre Enkel (die Kinder der bereits verstorbenen leiblichen Söhne) alt genug waren.

 

Da gab es aber noch Plektrudis Nichte Ida, die sich auf einem Fest unsterblich in Karl verliebt hatte. Sie verhalf ihrem Schatz zur Flucht und Karl konnte sich wieder darum kümmern, seine Rechte gegen Plektrudis durchzusetzen.

 

Plektrudis war darüber natürlich stinksauer und erzählte ihrer Nichte, als Karl in Sachen Eroberungen unterwegs war, er sei im Krieg gefallen. Diese Nachricht hat die arme Ida so schwer getroffen, dass sie „den Schleier nahm“ und ins Kloster ging.

 

So richtig erholt hat sie sich nie von diesem schweren Schicksalsschlag und starb sehr früh. Als Karl dann aus dem Krieg zurückkam, konnte er nur noch an ihrem Grab trauern.  

 

Der Erbschaftsstreit zwischen Plektrudis und Karl (später Karl Martell) hat tatsächlich stattgefunden. Es gab in der Geschichte der Kirche auch eine Äbtissin namens Ida. Allerdings hat diese rund 300 Jahre nach Karl gelebt.

 

"Zint Märjensrepp"

Dann gibt es noch eine seltsame Kuriosität in der Kirche. Und zwar die Knochen eines Grönlandwals, die an einer Wand über dem Beichtstuhl hängen.

 

Sie stammen wohl noch aus der Zeit vor Christus.

Wie sie in die Kirche gekommen sind und was sie zu bedeuten haben, weiß allerdings niemand.

 

In Köln werden sie "Zint Märjensrepp" genannt. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass es sich um die Rippen der heiligen Maria handelt (wären ja auch ein bisschen groß).

 

Es besagt einfach, dass es die Rippen der Kirche sind, die Maria heißt.

 

Knochen eines Grönlandwals über einem Beichtstuhl
"Zint Märjensrepp"



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