Die Ulrepforte am Sachsenring

Das erste Mal so richtig wahrgenommen habe ich die Ulrepforte, als ich dort aussteigen musste, um zur Berufsschule zu kommen. Das ist jetzt … ja schon ein paar Jährchen her.

 

Damals habe ich allerdings noch gedacht, der Name dieses Turms hätte etwas mit der dahinterliegenden Ulrichgasse zu tun. So ging es übrigens auch noch anderen, wie mir berichtet wurde.

Heute weiß ich, dass die Ulrepforte ihren Namen den früher hier ansässigen Töpfern (Ulnern) zu verdanken hat. Die durften aufgrund der Brandgefahr ihr Handwerk nur in wenig bewohnten Gebieten ausüben und diese Gegend wurde bis ins 19. Jh. hinein fast ausschließlich für die Landwirtschaft genutzt.

 

Die Ulrepforte war Teil der mittelalterlichen Stadtmauer

Ursprünglich war die Ulrepforte zwar als Stadttor gedacht, wurde aber nie wirklich als solches genutzt, da keine wichtigen Straßen in ihrer unmittelbaren Umgebung lagen.

Aus diesem Grund hat man sie auch Mitte des 15. Jahrhunderts wieder zugemauert und zur Windmühle umgebaut (Kartäuser Mühle).

Das Windrad hat man leider, kurz nachdem die Stadtmauer 1881 geschleift wurde, wieder entfernt. Nur der Mühlengang ist erhalten geblieben. Schade, hätte mir gefallen, wenn Köln noch eine Mühle hätte.

 

Heute ist die Ulrepforte das Quartier der Roten Funken, die den Turm 1955 in Erbpacht übernommen haben und seitdem für seine Instandhaltung sorgen. 

 

Der schlafende Funke an der Ulrepforte

Ein oft und gerne fotografiertes Motiv ist der schlafende Funke, der direkt neben der Ulrepforte an einen Torbogen gelehnt steht. 

 

Die Bronzestatue wurde von dem Bildhauer Willi Neffgen angefertigt und anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Roten Funken am 11.11.1998 eingeweiht.  

Schlafender Funke
Der schlafende Stadtsoldat

Die Stadtmauer am Sachsenring beherbergt zwei weitere Karnevalsvereine

Neben der Ulrepforte verläuft der Sachsenring. Hier steht noch ein Teilstück der mittelalterlichen Stadtmauer mit zwei Halbtürmen. Sogar den Graben davor kann man noch erkennen.

Teil der mittelalterlichen Stadtmauer am Sachsenring
Teil der mittelalterlichen Stadtmauer am Sachsenring

Der Turm auf dem linken Bild wurde 1980 von der Prinzengarde gekauft und restauriert. Seitdem dient er dem Verein als Quartier.

 

Der rechte Turm (mit dem Funkenmariechen auf dem Dach) ist seit 1970 die Herberge der Blauen Funken.

 

Die Schlacht an der Ulrepforte

In der Nacht zum 15. Oktober 1268 war die Ulrepforte Schauplatz einer blutigen Auseinandersetzung.

 

Wie so oft in der Geschichte Kölns ging es mal wieder um die Rivalität zwischen den Kölner Bürgern und ihrem Erzbischof.

 

Jetzt hätten es die Kölner ja bedeutend einfacher haben können, wenn sie sich wenigstens untereinander einig gewesen wären. Aber auch zwischen den einflussreichen Patrizierfamilien, in diesem Fall zwischen den Overstolzen und den Weisen, kam es immer wieder zum Streit um die Vorherrschaft in der Stadt.

 

Diesen Machtkampf wollte der Erzbischof Engelbert II von Falkenburg für sich nutzen. Er verbündete sich mit der Familie der Weisen, die kurz zuvor aus der Stadt vertrieben wurden.

 

Jetzt musste nur noch ein Weg gefunden werden, um unbemerkt in die Stadt einzudringen. Dazu wurde, der Sage nach, ein Schuster, der direkt an der Stadtmauer wohnte, bestochen.

 

Für 25 Mark sollte der Mann mit dem bezeichnenden Namen Havenith (Habenichts) einen Tunnel unter die Mauer graben. Dieser Plan flog allerdings auf. Die Eindringlinge konnten getötet, in die Flucht geschlagen oder gefangen genommen werden. 

 

Interessant ist, dass man bei Bauarbeiten, die von der Prinzengarde in Auftrag gegeben wurden, tatsächlich einen nachträglich zugeschütteten Durchgang entdeckt hat. Ob dieser etwas mit der Schlacht an der Ulrepforte zu tun hatte, ist allerdings nicht bestätigt. (Quelle: Artikel aus dem Stadtanzeiger

 

An der Mauer befindet sich die Kopie eines Reliefs, das an die Schlacht erinnert. Das Original hängt im Kölner Stadtmuseum. 

 

Die Inschrift lautet:

 

Anno domini MCCLXVII zo der heiliger more naicht

do wart hier durch de mure gebrochen

 

Diese Reliefplatte gilt als das älteste Profandenkmal Deutschlands. Möglicherweise ist es diesem Denkmal zu verdanken, dass dieses Stück Stadtmauer nicht irgendeiner Kölner Abrisswut zum Opfer gefallen ist. 


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