Unter Fettenhennen und die Geschichte des Tillmann Isenhaupt

Die Straße mit dem lustigen Namen „Unter Fettenhennen“ liegt zwischen dem Kardinal-Höffner-Platz (Kreuzblume am Dom) und dem Wallrafplatz.

Die Hausnummer 11 ist die Adresse des Café Reichard, vielleicht ist das vielen eher ein Begriff.

Café Reichard in Köln
Café Reichard "Unter Fettenhennen"

Der Name dieser Straße stammt aus einer Zeit, als es in Köln noch gar keine Straßennamen gab.

Damit man sich trotzdem irgendwie zurechtfand, orientierten sich die Leute damals an irgendwelchen Häusern, Plätzen, Bäumen oder sonstigen markanten Punkten.

 

Im 15. Jh. stand hier in der Straße ein Haus, das den Namen „zo der vetter hennen“ trug. Daneben befand sich eine Brothalle. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass hier früher besonders fette Hennen herumliefen, die sich an den ganzen Brotkrumen satt gepickt haben.

 

Im 16. Jh. war "Unter Fettenhennen" das Zentrum in Köln für Buchdruck und Buchhandel. Zu dieser Zeit soll sich auch die folgende Geschichte abgespielt haben:

 

Tillmann Isenhaupt - lieber tot als verheiratet

Vor rund 500 Jahre kam es in der Straße „Unter Fettenhennen“ zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen einem gewissen Tillmann Isenhaupt (je nach Quelle auch Iserenheuft, Isenhäupt oder Eisernhaubt) und einem Buchhändler. Es muss dabei wohl so richtig zur Sache gegangen sein, denn die Folge war, dass Tillmann Isenhaupt zum Tod durch den Galgen verurteilt wurde. 

 

Nun gab es aber damals die Möglichkeit der Losheirat. Das heißt, sollte sich eine Dame finden, die bereit war, einen zum Tode verurteilten Mann zu ehelichen, konnte der Richter vom Vollzug der Strafe absehen.

 

Im Fall Isenhaupt gab es sogar zwei Damen, die bereit waren, dem Verurteilten das Jawort zu geben (war wohl ein nettes Kerlchen dieser Tillmann). Aber was machte Tillmann? Er ließ verlauten, die beiden Damen sollen ihm doch den Buckel runterrutschen und zog die Hinrichtung einer Ehe vor.

Lieber tot als verheiratet
Die Geschichte des Tillmann Isenhaupt

 

Diese Einstellung machte ihn beim Volk wohl ziemlich sympathisch, denn auf seinem Weg zum Schafott gab es jede Menge Leute, die Tilmanns Freilassung forderten. Natürlich konnte der Henker dem nicht nachkommen, der sollte ja nur richten und nicht urteilen. Isenhaupt entkam aber trotzdem, weil einer seiner Anhänger den Strick durchschlug, an dem er gehenkt werden sollte.

 

Seine Flucht führte ihn nach Bedburg, wo er für eine Weile bei Hermann Graf von Neuenahr unterkam. Einige Zeit später hat man bei Tillmann Isenhaupt eine Geisteskrankheit festgestellt (ich weiß, kaum zu glauben), woraufhin der eiserne Junggeselle dann im Augustinerkloster untergebracht wurde. 

 

Leider ist nicht überliefert, ob sich die beiden Damen, nach dieser heftigen Abfuhr, auch in psychiatrische Behandlung begeben haben. Auf jeden Fall denke ich, dass diese Geschichte ein wenig an deren Selbstbewusstsein genagt haben muss ;)



Kommentar schreiben

Kommentare: 0