Zuhören können - eine unterschätzte Eigenschaft

 

Als ich in meinem Bekanntenkreis erwähnt habe, dass ich vorhabe, Seminare zum Thema „Zuhören“ zu besuchen, gab es einige sehr verwunderte Blicke.

 

Und Kommentare wie:

 

„Was gibt es denn bitteschön über das Zuhören zu lernen?“

 

„Wer hören kann, der kann ja wohl auch zuhören.“

 

Und so ganz unter uns: Die meisten Kommentare kamen natürlich genau von den Menschen, bei denen mir sofort der Gedanke kam: Na dir würde so ein Seminar bestimmt auch nicht schaden.

 

Leider ist es ja so, dass die meisten Leute, die nicht zuhören können, gar nichts von ihrem Defizit wissen. Oder nichts davon wissen wollen.

 

Es gab aber auch andere Reaktionen:

 

“Warum du? Du kannst doch schon toll zuhören.“

 

“Du hast doch nun wirklich nicht nötig, das Zuhören zu lernen. Warum willst du denn auf so einem Seminar deine Zeit vergeuden?“

 

Diese Fragen stimmten mich zwar etwas versöhnlicher, trotzdem zeigten mir alle diese Fragen und Kommentare, dass zuhören können eine absolut unterschätzte Eigenschaft ist. Und vor allem eine Fähigkeit, die den meisten Menschen weder als förderungs- noch als besonders schätzungswürdig erscheint.

 

Es ist doch tatsächlich so: Da werden Rhetorikkurse angeboten, Debattierklubs gegründet, Seminare zum Thema Verkaufsgespräche abgehalten, und, und, und. 

Aber Zuhören? Dieser Teil des Gesprächs führt doch ein ziemlich klägliches Schattendasein. 

Dabei ist aufmerksames Zuhören nicht nur ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung; Zuhören ist überhaupt die Basis für ein funktionierendes Miteinander.   

Wie viele Missverständnisse basieren einzig und alleine darauf, weil die Menschen sich nicht richtig zuhören? Das hat im Zwischenmenschlichen schon fatale Folgen, da kann man sich doch lebhaft vorstellen, wie gravierend die Folgen auf geschäftlicher oder sogar auf globaler Ebene sind. 

Jetzt ging es in diesem besagten Seminar unter anderem um das „Aktive Zuhören“.

Eine Technik, die der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers entwickelt, und im Rahmen seiner klientenzentrierten Gesprächsführung als Werkzeug verwendet hat.

 

 

Aktives Zuhören ist für beide Seiten eine Bereicherung

Der Zuhörer ...

... weiß nach einem Gespräch, was wirklich gesagt wurde und was damit gemeint war.

... lernt sein Gegenüber besser kennen.

... gewinnt das Vertrauen seines Gesprächspartners.

... lernt selber etwas aus dem Gespräch.

... wird im Allgemeinen viel aufmerksamer und achtsamer.

 

Derjenige, der spricht, …

… kann reden, ohne unterbrochen zu werden.

… kann sich sicher sein, dass das, was er sagt, auch verstanden wird.

… fühlt sich respektiert und ernst genommen.

 

 

Nicht nur hören, was der andere sagt, sondern ihn aktiv beim Reden unterstützen. Wie geht das?

1. Mit einer offenen und entspannten Körperhaltung

 Das heißt:

    • nicht die Arme verschränken.
    • dich nicht abwenden.
    • so oft wie möglich Blickkontakt halten, ohne zu starren.

Lächeln schadet natürlich auch nicht, nur Dauergrinsen ist vielleicht nicht so angesagt.

 

2. Indem du den anderen ausreden lässt

Was ja eigentlich in jedem Gespräch eine Selbstverständlichkeit sein sollte, lässt in der Realität leider sehr oft zu wünschen übrig. Aber überleg einfach mal, was du selber empfindest, wenn dich jemand (andauernd) unterbricht. Scheiß Gefühl, oder? 

 

3. Durch aufmerksames Beobachten

Als guter Zuhörer hörst du nicht nur was dein Gesprächspartner sagt, sondern auch wie er etwas sagt. Achte außerdem auf Gestik und Mimik deines Gegenübers. Nimm ihn also bewusst wahr. Wenn es richtig gut läuft, schaffst du es, dich in deinen Gesprächspartner hineinzufühlen.

 

4. Indem du authentisch bleibst

Beim aktiven Zuhören geht es zwar darum, dem Gesprächspartner auch während des Gesprächs immer wieder zu signalisieren, dass du voll und ganz bei ihm bist. Übertreibe es aber bitte nicht.

Versuche nicht durch übertriebenes Kopfnicken und unplatziert eingeworfenen Aaaahs und Achs und Hms, Interesse zu bekunden.

 

Erstens wirkt das unecht und außerdem hält gerade das dich vom Zuhören ab. Wer wirklich zuhört, der konzentriert sich auf sein Gegenüber und überlegt nicht, ob gerade mal wieder ein „Das ist aber interessant“ in das Gespräch eingeworfen werden könnte. 

 

5. Indem du Ablenkungen vermeidest

Widme dich wirklich nur deinem Gesprächspartner. Wenn der Fernseher nebenher läuft, du nebenbei bügelst oder eine SMS schreibst, kann das mit dem Zuhören nicht anständig funktionieren.

 

Es bringt auch nichts, ein Gespräch irgendwo dazwischenzuschieben. Unter Zeitdruck kannst du ebenfalls nicht aufmerksam zuhören und das merkt auch dein Gegenüber.

 

6. Durch Nachfragen und Zusammenfassen

Wenn du etwas nicht verstanden hast, dann frag nach. Dadurch merkt dein Gesprächspartner, dass du auch wirklich Interesse an seinen Worten hast.

 

Wenn eine Redepause entsteht, dann fang nicht sofort an, sie mit deinen eigenen Gedanken zu füllen. Nutze sie dazu, das, was du gehört hast, noch einmal mit deinen eigenen Worten zusammenzufassen.

 

Manchmal ist es aber auch besser, solche Pausen einfach „auszuhalten“. Einfach, damit dein Gegenüber sich sammeln und vielleicht über seine weiteren Worte nachdenken kann.

 

7. Indem du das, was du hörst, nicht bewertest

Das ist in meinen Augen einer der schwierigsten Punkte beim aktiven Zuhören. Wie gerne bilden wir uns sofort eine eigene Meinung, be- oder verurteilen das, was wir hören und/oder stecken den Menschen, der vor uns steht, in irgendeine Schublade.

 

Bei so einer Reaktion bist du aber automatisch mit deinen Gedanken ganz woanders.

Nimm einfach nur wahr, was der andere sagt und akzeptiere seine Meinung als das, was es ist >>> seine Meinung. 

 


Zuhören heißt Aufmerksamkeit schenken, aber ...

... achte dabei auf deine Energiereserven

Richtiges Zuhören strengt an. Es kann also durchaus sein, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo du einfach nicht mehr zuhören kannst.

 

Dann sei aber auch ehrlich: Wenn es nicht (mehr) geht, dann geht es nicht (mehr). Sag deinem Gegenüber, dass du dich nicht (mehr) auf seine Worte konzentrieren kannst.

 

Jemand, der dich als Zuhörer schätzt, der wird das akzeptieren und respektieren.

Mit aller Wahrscheinlichkeit wird er dich für diese Ehrlichkeit sogar erst recht als guten Zuhörer schätzen.

 

... lass dich nicht ausnutzen

Vergiss nicht: Du schenkst deinem Gegenüber beim Zuhören Aufmerksamkeit und vor allem auch Zeit. Und das verdient ebenfalls Respekt.

 

Leider gibt es genug Menschen, die einen zutexten und es für selbstverständlich halten, dass man ihnen zuhört. Ich bin mir fast sicher, du kennst auch mindestens einen dieser Spezies. Diese Menschen kosten einen eine Unmenge an Energie und es liegt an dir, hier eine Grenze zu ziehen. 

 

Früher habe ich tatsächlich aus Höflichkeit immer weiter zugehört.

Heute ist mir meine Zeit zu schade, wenn ich merke, der andere ...

    • redet nur um des Redens Willen
    • jammert nur um des Jammerns Willen
    • ist nicht wirklich an mir persönlich als Zuhörer interessiert, sondern braucht einfach nur jemanden, der ihm gegenüber sitzt, weil Selbstgespräche in der Öffentlichkeit seltsam aussehen.
    • zieht mich (immer wieder) mit runter

Übrigens wissen meiner Erfahrung nach die Menschen, die selber aufmerksam zuhören können, es viel mehr zu schätzen, wenn man ihnen zuhört.

 


Es wäre toll, wenn du mir deine Erfahrungen und Ansichten zu diesem Thema mitteilen würdest.

Gerne öffentlich als Kommentar, wenn du möchtest kannst du mir aber auch gerne eine E-Mail schicken. 

 


Und wenn dich dieser Artikel inspiriert hat

und du ihn gerne teilen möchtest,

würde ich mich natürlich auch sehr

freuen und sage schon mal:

DANKE!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0